Camino Primitivo – Der ursprüngliche Jakobsweg


Der Camino Primitivo wird auch Ursprünglicher jakobsweg genannt.

FreeCat – José Antonio Gil Martínez – CC BY 2.0

Allgemeines zum Camino Primitivo
Die Geschichte des Ursprünglichen Jakobsweg
Unterwegs auf dem Jakobsweg
Reisetipps für Pilger
Die Etappen des Camino Primitivo im Detail

Der Camino Primitivo macht seinem Namen alle Ehre. So ist dieser Pilgerweg auch der anspruchsvollste. Der als „Ursprünglicher Jakobsweg“ bekannte Pfad kann nur mit einer guten körperlichen Kondition bezwungen werden. Für viele Pilger ist dieser Jakobsweg der schönste aller Pilgerpfade. Er führt durch die Berge und Täler Asturiens und über die grünen Hügel bei Galicien bis nach Santiago de Compostela.

Als Verbindung zwischen der Küstenstraße und dem Camino Francés ist der Camino Primitivo eine Herausforderung. Der 330 km lange Jakobsweg startet in der Küstenlandschaft von Oviedo. Über mehrere Pässe durchquert der Pilger das kantabrische Küstengebirge bis die Landschaft sich in eine ungebändigte Berglandschaft mit Höhenmetern von bis zu 1000 Metern verwandelt.

Auf dem Weg zu den, teilweise extremen Steigungen, wird der Pilger von abwechslungsreichen Ausblicken auf die plätschernden Flussläufe und sattgrünen Wiesen der nordspanischen Landschaft verzaubert. Erreicht er bei dieser anstrengenden Wanderschaft die Gipfel, wird das Pilgerherz mit dem Anblick der atemberaubenden Bergpanoramen belohnt.

Die Geschichte des Camino Primitivo

Der Camino Primitivo ist der primitivste unter den Jakobswegen. „Primitiv“ bedeutete in der veralteten Sprache „ursprünglich“. Als der ursprüngliche Jakobsweg wird der älteste der Pilgerpfade laut Aufzeichnungen schon seit dem 9. Jahrhundert genutzt. Zu dieser Zeit war fast ganz Spanien von den Mauren besetzt. Damals pilgerte der König des christlichen Asturien, Alfonso II, „der Keusche“, 4 Jahre nach der Entdeckung des Apostelgrabes von Oviedo nach Santiago de Compostela. Danach wollten Pilger beim Apostel Hilfe für das bedrohte Königreich erbitten. So entstand dieser Abschnitt des ursprünglichen Jakobsweges.

Der Camino Primitivo galt bis vor einigen Jahren noch als unbekanntester Jakobsweg unter den Pilgern. Nun ist er zwar längst kein Geheimtipp mehr, doch aufgrund seiner schwierigen Begehbarkeit findet der Pilger hier trotzdem immer noch die ersehnte Einsamkeit und Ruhe. Gleichzeitig zieht der Charme des ursprünglichsten aller Jakobswege den Wanderer in seinen Bann.

Unterwegs auf dem Ursprünglichen Jakobsweg


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Der ursprüngliche Jakobsweg verläuft von Oviedo über Grado, Salas, Tineo, Borres, Pola de Allande, La Mesa, Grandas de Salime, A Fonsagrada, O Cádavo (Baleira), Castro Verde, Lugo, Palas de Rey und Arzùa bis Santiago de Compostela. Dort mündet er i^n die Hauptstrecke des Jakobsweges.

Besonders erwähnenswert ist hier unterwegs die 2000 Jahre alte Römerstadt Lugo. Die älteste Stadt von Galicien bietet eine sehr gut erhaltene Altstadt. Im Jahr 2005 wurde die alte Stadtmauer zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt. Über 2 km lang schlängelt sich die 8-12 cm dicke, vollständig begehbare Stadtmauer.

Ab Lugo führt ein 49 km langer Zubringer über San Román bei Melide auf den Camino Francés. Ebenso kann der Pilger auch den Weg über Santa Eulalia de Bóveda nach Sobrado dos Monxes nehmen. Die 56 km lange Strecke führt von dort aus zum letzten Teil des nördlichen Weges.

Die Tagesetappen liegen auf dem Camino Primitivo zwischen 14 und 31 km, wobei an manchen Etappen bis zu 1000 Höhenmeter zu überwinden sind. Die Strecke auf dem ursprünglichen Jakobsweg ist zu Fuß in 13 – 14 Tagen zu schaffen. Für Radpilger ist die Route aufgrund der Höhenunterschiede jedoch nicht zu empfehlen.

Bis vor wenigen Jahren war der Camino Primitivo noch sehr schlecht beschildert. Es gab auf dem Pilgerpfad kaum Unterkünfte, daher wurde er von den Pilgern auch nur selten benutzt. Erst vor einigen Jahren wurde der bis dahin fast in Vergessenheit geratene, ursprüngliche Jakobsweg auf Anweisung der Jakobusvereinigung von Oviedo ausführlich beschildert. Seitdem gibt es entlang der Strecke auch ausreichend Herbergen und Hotels.

Reisetipps für den Camino Primitivo

Der Camino Primitivo ist etwas schwerer wie der Französische Jakobsweg

Der Camino Primitivo ist ganzjährig begehbar, jedoch ist eine beliebte Reisezeit zwischen Juni und September. Zu dieser Zeit ist das Wetter meist stabil und die Temperaturen steigen in der Regel nicht über 30 Grad. Jedoch sollte bedacht werden, dass in dieser Zeit auch Hochsaison ist. Franzosen und Spanier haben Urlaub, oft sind die Herbergen ausgebucht. Im Winter fallen die Temperaturen zwar nicht unter 5 – 10 Grad und auch Schneefall oder extreme Kälte sind eher eine Seltenheit, allerdings sind die Tage dann kürzer, was die Wanderzeit sehr verkürzt. Außerdem haben einige Herbergen und Hotels auf dem Camino Primitivo nicht ganzjährig geöffnet. Zu empfehlen ist die Zeit zwischen März und Mai. Das Wetter ist zu dieser Jahreszeit zwar launisch, jedoch nicht zu kalt.

Da der ursprüngliche Jakobsweg durch die vielen Bergetappen eine große Belastung für den Körper darstellt, ist es hilfreich, mit Trekkingstöcken zu wandern. Sie erleichtern den Aufstieg, sorgen für gute Trittsicherheit bei Schlamm und feuchtem Untergrund. Gleichzeitig entlasten sie die Knie und den Rücken.

Wenn auch die körperlichen Belastungen auf dieser Pilgerreise nicht zu unterschätzen sind, bietet doch dieser ursprüngliche Jakobsweg eine reizvolle Mischung aus Pilgern und Bergwandern.

Er ist nicht so überlaufen und teilweise kommerziell wie andere Caminos. Außerdem durchläuft man sehr verschiedene Vegetationszonen und kann jeden Tag aufs Neue entdecken, was es heißt, Richtung Norden zu pilgern. Die Luftfeuchtigkeit und das Klima verändern sich beim Pilgern auf diesem Jakobsweg fast täglich. Die Einsamkeit und Schlichtheit dieses Pilgerweges ist einzigartig. Die wechselnden Eindrücke der ursprünglichen, wilden Natur machen eine Pilgerreise auf dem Camino Primitivo zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Die Etappen des Camino Primitivo

Tag
Etappe
Kilometer
Bemerkung
1
Oviedo nach Grado
28 km
Der Startpunkt des Camino Primitivo liegt an der Kathedrale El Salvador in Oviedo, der 225.000 Einwohner großen Hauptstadt von Asturien. Oviedo bietet den Pilgern Unterkünfte zu erschwinglichen Preisen. Am Startpunkt in der Kathedrale El Salvador weisen dir in den Boden integrierte Jakobsmuscheln aus Bronze den Weg nach Westen in Richtung Santiago de Compostela.
Die Etappe von Oviedo nach Grado hat eine Länge von 28 km. Es gibt sehr viele abwechslungsreiche Aufs und Abs durch Kastanien- und Eichenwälder. Entlang des Flusses Soto führt dich der Weg durch Llampaxuga. Hier steht eine mittelalterliche Kapelle. Über Dörfer wie Escamplero, Paladin und Puerma gelangst du nach Grado, wo du übernachten kannst.
2
Grado nach Salas
23 km
Grado als Etappenziel des Camino Primitivo kann auf eine lange, in der Bronzezeit beginnende Geschichte zurückblicken. Die Stadtgründung datiert auf März 1256 und die Einwohnerzahl hat sich inzwischen bis auf 10.000 erhöht. Wie es sich für eine Pilgeretappe gehört, weist die Stadt einige sehenswerte Kapellen und Kirchen sowie ein Heimatmuseum auf.
Auf dieser 23 km langen Etappe von Grado nach Salas wirst du von Beginn an gefordert. Sie beginnt mit dem steilen Aufstieg nach Alto del Fresno. Beim Verschnaufen kannst du dort deine Blicke weit übers Land schweifen lassen. Dann gehts weiter über San Marcelo nach Cornellana. Diese Stadt am Ufer des Narcea ist berühmt für leckeren Lachs. Der Weg führt dich anschließend über Llamas und Casazorrina nach Salas.
3
Salas nach Tineo
22 km
Salas wurde im Jahr 896 erstmalig urkundlich erwähnt. Die Einwohnerzahl der Kleinstadt liegt heute bei 5.570. Als Etappenziel des Camino Primitivo hat die Gemeinde hier für die Pilger 3 Herbergen eröffnet, wo du eine ansprechende Unterkunft für die Nacht findest. Sehenswert sind die Pfarrkirche Iglesia de San Martin aus dem 10. Jahrhundert und das Kloster Monasterio de San Salvador aus dem 12. Jahrhundert.
Die 22 km lange Etappe von Salas nach Tineo startet unter dem Torbogen des Palastes von Valdés Salas und führt auf einen schönen, von Eichen- und Kastanienwäldern gesäumten Pfad. Entlang des Flusses Nonaya führt der Pfad dich nach Bodenaya. Über La Espinanach erreichst du schließlich den nächsten Übernachtungspunkt Tineo.
4
Tineo nach Borres, weiter nach Pola de Allande
31 km
Wie überall in Asturien weist auch in Tineo viel auf eine frühe Besiedlung schon in der Steinzeit hin. Im Jahr 780 wurde Tineo erstmals urkundlich erwähnt und weist heute eine Einwohnerzahl von ca. 10.000 Einwohnern auf. Sehenswert in Tineo ist unter Anderem das Goldmuseum.
Die 31 km lange Etappe nach Pola de Allande führt dich nun aus den hügeligen Gebieten in das bewaldete Bergland. Der nächste Haltepunkt ist Borres. Der Weg von Tineo nach Borres führt dich über kleine Pfade durch das bewaldete Bergland. Borres ist nur eine kleine Gemeinde, weist aber eine Herberge für die Pilger auf. Allerdings sind die Versorgungsmöglichkeiten in diesem Dorf sehr gering. Hinter dem Dorfausgang von Borres führt der Pfad an einem Kiefernwald entlang Richtung Samblismo. Hier zweigt ein Weg auf die Alternativroute zum ehemaligen Pilgerhospital Fonfaraón ab. Dein Weg führt dich aber weiter nach Pola de Allande, wo du übernachten kannst.
5
Pola de Allande nach La Mesa
20 km
Pola de Allande ist mit seinen 730 Einwohnern ebenfalls nur eine kleine Gemeinde. Trotzdem weist diese Gemeinde viele sehenswerte bauten und Kirchen aus mehreren Epochen auf. Alfons der IX. sorgte für die Einbeziehung der Gemeinde in den Pilgerweg.
Die Etappe nach La Mesa hat eine Länge von 20 km. Sie stellt eine Herausforderung dar, belohnt dich aber mit einer Wanderung durch eine der schönsten Landschaften auf dem Camino Primitivo. Endziel ist La Mesa.
6
La Mesa nach Grandas de Salime
18 km
La Mesa ist nur eine Ansiedlung mit 15 Gebäuden und einer kleinen Pfarrkirche. Wenn Du kein Zelt dabei hast, ist eine Übernachtung hier sehr schwierig. Verpflegung wird ebenfalls benötigt. Allerdings ist die Rückfahrt mit einem Shuttle nach Pola de Allande möglich, wo du übernachten kannst, um am nächsten Morgen zurück nach La Mesa zu fahren.
Die Etappe nach Grandas de Salime ist mit 18 km etwas kürzer. Nach dieser kurzen Etappe, die am Stausee Embalse de Salime endet, verlässt du die Provinz Asturien. Vom Stausee geht es weiter nach Grandas de Salime zur Übernachtung.
7
Grandas de Salime nach A Fonsagrada
28 km
Grandas de Salime besteht aus mehreren kleinen Gemeinden und hat rund 900 Einwohner. Hier kann im Stausee vor der verdienten Nachtruhe noch ein Bad genommen werden. Zeichen der Besiedlung hat man schon aus der Bronzezeit gefunden. Die Reste einer Wallburg stellen einen Zeugen der Zeitgeschichte dar.
Die 28 km lange Etappe nach A Fonsagrada führt über den Bergpass Puerto del Acebo, der die Grenze zur galicischen Provinz Lugo darstellt. Heute durchquerst du eine atemberaubend schöne Landschaft. Der Restweg nach Santiago beträgt nach dieser Etappe nur noch 145 km.
8
A Fonsagrada nach O Cádavo (Baleira)
26 km
Dein Übernachtungsort A Fonsagrada hat eine Einwohnerzahl von etwas mehr als 4.000 Bewohnern. Als größte Sehenswürdigkeit zählt wohl der Wasserfall. In diesem Bezirk stand auch die Staumauer Leguaseca, welche 1987 einbrach und bei der Überflutung der darunterliegenden Bereiche 7 Todesopfer forderte.
Die folgende Etappe nach O Cádavo (Baleira) hat eine Länge von 26 km. Sie führt überwiegend entlang der Landstraße LU 530 und die Landschaft verändert sich langsam von den Kiefergehölzen zu Eukalyptushainen. Nach dem Passieren der Ruinen des Pilgerhospitals de Santiago erreichst du dein nächstes Nachtquartier in O Cádavo (Baleira).
9
O Cádavo (Baleira) über Castro Verde nach Lugo
32 km
Auch O Cádavo (Baleira) bietet den Pilgern Unterkunft in einer Pilgerherberge. Hier kannst du wie viele andere in den vergangenen Jahrhunderten standesgemäß deiner Nachtruhe nachkommen.
Die 32 km lange Etappe nach Lugo führt dich zuerst durch die bergige Landschaft nach Castro Verde. Vorbei an einer gotischen Kirche, der sogenannten „Kathedrale von Castroverde“ führt dich dein Weg weiter über Casas da Vina nach Lugo, zum Ort der nächsten Übernachtung.
10
Lugo nach Palas de Rey
36 km
Lugo ist eine der größeren Städte auf deinem Weg nach Santiago. Sie weist fast 100.000 Einwohner auf und kann durch verschiedene Stadttore betreten werden, welche den Zugang durch die alte römische Stadtmauer gewähren. An einem der Tore steht ein Gedenkstein, der dem heiligen Petrus geweiht ist, der an der Wallfahrt des Königs Alfons im 9. Jahrhundert teilnahm.
Mit 36 km ist diese Etappe eine der längsten. Durch einige Streusiedlungen hindurch führt der Weg entlang von Feldern und Wiesen. Er ist mit Wegsteinen gut ausgezeichnet. Nach anstrengenden 36 km erreichst du schließlich Palas de Rey.
11
Palas de Rey nach Arzua
30 km
Palas de Rey bedeutet wörtlich übersetzt Königspalast. Das gründet auf die These, dass König Witiza in dem Ort Hof gehalten haben soll. Seine heutige Einwohnerzahl wird mit rund 3.600 angegeben.
Diese vorletzte Etappe deiner Wanderung bringt dich deinem Ziel um 30 km näher. Ein Schmankerl auf dieser Etappe sind die Pulpos in Melide, wo man sich in einer Pulperia zur Mittagszeit stärken kann. Der Streckenverlauf ist ein ewiges Auf und Ab, bis das Ziel in Arzua erreicht ist.
12
Arzua nach Santiago de Compostela
38 km
Arzua mit seinen rund 6.000 Einwohnern ist der Sammelpunkt der Pilger. Hier treffen die Wanderer aller Nationen aufeinander, um vor der letzten Etappe nach Compostela noch einmal zu übernachten.
Die letzte Etappe ist noch einmal eine Lange mit 38 km. Bis Pedrouzo führt der romantische Weg durch Eukalyptuswälder und saftige Wiesen, um dann in bewaldetes Gebiet überzugehen. Zum Schluss geht es einen Hügel hinunter, an dessen Fuß das Ortsschild von Santiago prangt.