Französische Jakobsweg – Camino Francés


Rund 800 Kilometer weit erstreckt sich der weltberühmte Camino Francés vom spanischen Nordosten bis in den Westen. Der Französische Jakobsweg wird oft und gern als Klassiker unter den Pilgerwegen bezeichnet. Zwar impliziert der Überbegriff „Jakobsweg“, dass es sich um lediglich eine Strecke handelt; tatsächlich fasst er jedoch mehrere Pilgerwege in ganz Europa zusammen. Spricht jemand davon, dass er auf dem Jakobsweg gewandert ist, so wird aber in der Regel der Französische Jakobsweg damit bezeichnet, dessen Grundsteine bereits in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts gelegt wurden.

Immerhin wandern 65 % aller christlichen Pilger hier! Hast auch Du Interesse daran, auf den historischen Pfaden des Pilgerweges zu wandeln, die atemberaubende Landschaft zu genießen und vor Ort gelebte Geschichte zu entdecken? Dann wartet der im Jahr 1993 als UNESCO-Welterbe eingetragene Weg mit all seiner Schönheit und zahlreichen Herbergen auf Dich. Schöne Etappenziele mit ihren beeindruckenden, kulturellen Höhepunkten begegnen Dir ebenso auf dem einstigen Handelsweg wie sich ständig wandelnde Landschaften.

Französische Jakobsweg: Einmal quer durch Spanien

französische jakobsweg camino francesEr beginnt wahlweise auf dem Col du Somport, einem der ältesten Übergänge über die Pyrenäen, oder in Roncesvalles, einem Ort in Navarra: Der Französische Jakobsweg oder Camino Francés, wie er nicht nur in der Landessprache Spaniens genannt wird. Und er endet in Santiago de Compostela, Hauptstadt Galiciens, Wallfahrtsort und Heimat von über 95.000 Menschen. Der Großteil der Pilger weltweit besucht den Jakobsweg, der sich über 800 km Länge erstreckt und dessen Route etwa fünf Wochen Zeit erfordert. Er ist nicht umsonst der bekannteste und auch der beliebteste Jakobsweg, der durch seine zuverlässigen Orientierungspunkte garantiert, dass Du sicher am Ziel ankommst – auch wenn Du in Sachen Wanderung und Pilgerreise noch Neuling bist. Schilder mit gelben Muscheln zeigen Dir zuverlässig, in welche Richtung es weitergeht;

Du siehst es jeweils an der Ausrichtung der Muschel. Mach Dir keine Sorgen, ob Du die Strecke durchhältst: Zahlreiche Herbergen, die meisten davon unmittelbar neben dem Jakobsweg, ermöglichen Dir zu jeder Zeit eine Ruhepause. Außerdem kommst Du in den Genuss einer stilechten Übernachtung, denn die Unterkünfte stammen größtenteils noch aus längst vergangenen Zeiten. Beispielsweise gibt es in Pamplona verschiedene Herbergen wie „Jesús y María“ in der Stadtmitte, unweit einer historischen Kathedrale.

Eine wundervolle Landschaft begleitet Dich durchgehend auf dem Camino Francés; und ihre Vielfalt ist wirklich beeindruckend! Vier spanische Regionen zeigen sich in ihrer individuellen Pracht. Du durchquerst auf dem Pilgerweg die Regionen Navarra, Rioja, Nordkastilien und zuletzt Galicien. Zahlreiche Klöster entlang des Weges werden Dich auf Deiner Wanderung ebenso begleiten wie beeindruckende Eichenwälder und malerische Weinberge in der Weinbauregion Rioja. Mittelalterliche Burgen und römische Bauten kreuzen ebenfalls Deinen Weg.

Wenn Du kleine Abstecher unweit des Französischen Jakobsweges machst, kannst Du außerdem weitere Höhepunkte Spaniens entdecken. So befindet sich in Nordspanien beispielsweise der Picos de Europa, ein Nationalpark, der als größter Spaniens gilt. In Kantabrien kannst Du ein weiteres Weltkulturerbe, namentlich die Höhlen von Altamira, bestaunen. Doch natürlich liegt der größte Reiz in der Vielfalt des Camino Francés.

Geschichte und Höhepunkte, der Französische Jakobsweg: Ein Handelsweg für Spanien

Bereits im frühen 11. Jahrhundert fand der Camino Francés seinen Anfang. Der Französische Jakobsweg sollte von den Pyrenäen im Nordosten Spaniens bis hin zum Nordwesten, der Stadt Santiago de Compostela, führen. König Sancho III Garcés, der 1004 geboren wurde, schuf die Voraussetzungen für den Bau des heutigen Wanderweges. Schon damals waren die Städte Jaca, Pamplona, Burgos und Léon zentrale Orte des Handels, so wurden beispielsweise bereits im Jahr 1047 zahlreiche Reisende nach Santiago erwähnt. Nordspanische Herrscher wollten Siedler aus dem benachbarten Frankreich anziehen, damit der Camino Francés durch Marktsiedlungen zum Leben erweckt werden konnte. Daher stammt auch der heute bekannte Name für den Jakobsweg, der übersetzt nichts anderes als „der französische Weg“ bedeutet.

Erstmals wurde die Pilgerstraße im 12. Jahrhundert so bezeichnet. 1050 wurde die typische, karikative Infrastruktur des Weges dank der verschiedenen Stiftungen von Königen oder Mönchsorden entwickelt. Etwa 100 Jahre später konnte man auf dem Camino Francés etwa alle 15 Kilometer ein anderes Hospital vorfinden. Ergänzend zu den imposanten Hospitalstiftungen der Fürste und Geistlichen kamen im Laufe der Zeit, insbesondere im 14. Jahrhundert, auch durch private Unterstützer kleinere Gebäude hinzu.

Von Somport bzw. Roncesvalles in Nordspanien aus zieht sich der Französische Jakobsweg durch zahlreiche, größere Städte. Dazu zählt in erster Linie Pamplona: Hier überquerst Du einen malerischen Fluss auf der Puente Magdalena, einer mittelalterlichen Brücke. Die Altstadt erreichst Du, indem Du das Frankentor oder die Puerta Fráncia durchschreitest. Eine weitere Stadt auf Deinem Weg ist Logroño, die mit ihrem Spruch „la ciudad como el camino“ (dt. „die Stadt richtet sich nach dem Weg“) ihre Zugehörigkeit zum Pilgerweg klar zum Ausdruck bringt. 1099 wurde eine Brücke als Flussübergang gebaut und machte die Stadt zum wichtigen Etappenziel des Französischen Jakobsweges.

Auch in Léon kommst Du als Wanderer auf dem Camino Francés vorbei. Dort sorgten ab dem 13. Jahrhundert bereits Kunsthandwerker dafür, dass die Popularität der Stadt stark anwuchs und sie zu einer wichtigen Station des Jakobsweges machte. Heute sind in Léon über 125.000 Einwohner (Stand: 2016) zu Hause. Historische Highlights auf dem Jakobsweg zeigen sich in großer Zahl. Dazu zählt beispielsweise die Römerbrücke „Puente La Reina“ in der gleichnamigen Stadt der Region Navarra. Bereits in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts wurde sie erbaut und verhalf der Stadt zu ihrem Namen. Die Brücke galt früh als wichtigste Verbindung über den Fluss, da ohne sie teure und lange Umwege notwendig gewesen wären.

In Burgos kannst Du weiterhin eine gotische Bischofskirche, die Catedral de Burgos, besichtigen. Sie ist seit 1984 Weltkulturerbe und wurde der Jungfrau Maria geweiht. Die Endstation des Jakobswegs, Santiago de Compostela, weist einen ganz besonderen, kulturellen Höhepunkt auf: Die Kathedralkirche des Erzbistums. Diese gilt als bedeutendes Ziel der christlichen Pilgerreise auf dem Französischen Jakobsweg, verfügt sie doch über die Krypta des Apostels Jakobus. Majestätisch ragt sie über den Dächern von Santiago de Compostela hervor und bildet einen würdigen Abschluss Deines Weges.

Bildergallerie vom Camino Francés:

Reisetipps für den Camino Francés

Bevor Du nun Deine Pilgerreise startest, solltest Du einige Dinge bei der Planung beherzigen. Am Anfang steht die Wahl der geeigneten Jahreszeit. Idealerweise besuchst Du den historischen Weg im Frühjahr oder Herbst, wenn weder zu starke Kälte noch zu starke Hitze herrschen. Außerdem ist der Weg dann nicht so überlaufen wie im Sommer. Wenn Du die absolute Einsamkeit auf dem Pilgerpfad erleben möchtest, solltest Du Dich warm anziehen und ihn in den Wintermonaten beschreiten.

Plane für Deinen Trip ein großzügiges Zeitfenster ein. Die meisten Pilger gehen von etwa vier bis fünf Wochen Zeitaufwand für den Weg aus. Gerade, wenn Du ansonsten kaum wanderst, solltest Du Dir mehr Zeit lassen und häufigere Pausen einlegen. Wenn Du am Ende Deines Weges noch ein wenig Kraft aufwenden kannst, ist eine Verlängerung der Reise möglich. Denn viele Pilger lassen die Erfahrung nicht in Santiago de Compostela, sondern in Muxia oder Kap Finsterre ausklingen. Natürlich kannst Du auch nur Teile des Camino Francés erkunden und Dich für eine Etappe, beispielsweise von Pamplona nach Puente la Reina (23,2 km Länge).

Körperliche Voraussetzungen gibt es kaum, denn der Weg ist auch für Anfänger gut zu schaffen. Das liegt einerseits an der hervorragenden Infrastruktur, die ständig erweitert wird, und andererseits an den zahlreichen Herbergen, die Verschnaufpausen ermöglichen. Freu Dich außerdem durch die Wegweiser, die Dir an fast jedem Stein begegnen, den Du passierst. Natürlich sind Spanischkenntnisse auf der Pilgerreise von Vorteil, allerdings kommst Du auch ohne gut voran. Die meisten Herbergeneltern verfügen über Englischkenntnisse, außerdem können Dir die anderen Pilger behilflich sein. Da der Französische Jakobsweg so gut besucht ist, wirst Du sicher jemanden antreffen, der Deine Sprache spricht.

 

Der Französische Jakobswege, Etappen:

  1. Etappe Saint-Jean-Pied-de-Port nach Roncesvalles / Orreaga 25 km / 8 Std.
  2. Roncesvalles nach Larrasoaña
  3. Larrasoaña nach Cizur Menor
  4. Cizur Menor nach Obanos
  5. Obanos nach Estella / Lizarra
  6. Estella / Lizarra nach Torres del Río
  7. Torres del Río nach Logroño

    Die autonome Region La Rioja

  8. Logroño nach Nájera
  9. Nájera nach Santo Domingo de la Calzada

    Die autonome Region Castilla y León

  10. Santo Domingo de la Calzada nach Belorado
  11. Belorado nach San Juan de Ortega
  12. San Juan de Ortega nach Burgos
  13. Burgos nach Hontanas
  14. Hontanas nach Boadilla del Camino
  15. Boadilla del Camino nach Carrión de los Condes
  16. Carrión de los Condes nach Terradilos de los Templarios
  17. Terradilos de los Templarios nach Sahagún
  18. Sahagún nach Reliegos über Calzadilla de los Hermanilos
  19. Reliegos nach León
  20. León nach Villar de Mazarife
  21. Villar de Mazarife nach Astorga
  22. Astorga nach Foncebadón
  23. Foncebadón nach Ponferrada
  24. Ponferrada nach Villafranca del Bierzo
  25. Villafranca del Bierzo nach La Faba

    Die autonome Region Galicien

  26. La Faba nach Triacastela
  27. Triacastela nach Barbadelo über Samos
  28. Barbadelo nach Hospital de Cruz
  29. Hospital de Cruz nach Mélide
  30. Mélide nach Pedrouzo
  31. Pedrouzo nach Santiago de Compostela

    Der Weg nach Finisterre und Muxia

  32. Santiago de Compostela nach Negreira
  33. Negreira nach Olveiroa
  34. Olveiroa nach Finisterre
  35. Finisterre nach Muxia