Sonne, Hahn und Kreuzverehrung – von der Symbolik entlang des Jakobwegs


Neben der Jakobsmuschel gibt es noch weitere Zeichen und Rituale, die sich in die Reihe der wichtigen Symbole entlang des Jakobswegs einordnen. Das beginnt bereits mit den Vorbereitungen auf die Pilgerreise. So sollten alle Angelegenheiten im Vorfeld testamentarisch geregelt werden. Das Testament als Symbol der Aussöhnung mit sich und seinem Umfeld ermöglicht es dem Pilger, den Weg ohne seelische Belastungen zu beginnen. Wer einen der Jakobswege beschreitet, wird feststellen, dass alle Wege von Ost nach West führen, und auch hierin steckt eine tiefere Symbolik. Osten ist gleich Sonnenaufgang, etwas Neues entsteht, ein Symbol der Geburt. Dagegen versinnbildlich der Sonnenuntergang im Westen Sterben und Tod. So ist auch die Sonne zum Symbol des Jakobsweges geworden, die – gemäß EU-Beschluss – nicht nur dem Wanderer den Weg weist, sondern aus theologischer Sicht auch dem Gläubigen Sicherheit und Schutz bedeutet. Auch in Legenden wird eine Verbindung zwischen Sonne und dem Apostel Jakobus hergestellt, womit das Sonnensymbol ein passendes Kennzeichen für diesen Pilgerweg ist.

Weniger Symbolcharakter und mehr praktischen Nutzen haben dagegen die Pfeile, die den Pilger in die richtige Richtung führen. Meist sind es gelbe Pfeile, die – auf Laternen, Bäume oder Straßen gemalt –  den Camino Santiago kennzeichnen, oft werden aber auch Pfeile aus Ästen oder Steinen gelegt, um Nachfolgenden die Richtung anzuzeigen. Eine wichtige Station ist das kleine Pyrenäendorf Roncesvalles. Hier erinnern sich die Pilger an den Ritter Roland, Held des Rolandlieds, der mit Kaiser Karl dem Großen ausgezogen war, Spanien den Ungläubigen wieder zu entreißen und dabei in einem Hinterhalt zu Tode kam. In der kleinen Heilig-Geist-Kapelle kann der Pilger dieses christlichen Märtyrers gedenken. Ein weiteres Ritual besteht darin, am Grenzübergang zu Galizien einen Stein aufzuheben, um ihn mit nach Santiago  zu nehmen. So wurde früher buchstäblich,  heute noch symbolisch, der Bau und die Instandhaltung der Kathedrale unterstützt. Und im Gedenken an eine Legende, bei der ein unschuldig Gehängter und ein Hahn die Hauptrolle spielen, wird in der Kathedrale von Santo Domingo de la Calzada auf den heutigen Tag ein Hahn und ein Huhn in einem Käfig gehalten. Damit ist der Hahn als weiteres Element in die Symbolik des Jakobwegs aufgenommen.